Themen der Woche:
🏗 Wackelt der Gebäudetyp E? – Zwischen Beschleunigung, Qualität und Werterhalt
Der Gebäudetyp E soll das Bauen einfacher, schneller und günstiger machen. Doch kurz vor der geplanten gesetzlichen Umsetzung mehren sich kritische Stimmen. Gleichzeitig rücken Energieeffizienz, Förderpolitik und Immobilien als Altersvorsorge stärker in den Fokus.
⚖️ Gebäudetyp E: Einfacher bauen – aber zu welchem Preis?
Mit einem gemeinsamen Eckpunktepapier haben Bundesbauministerin Verena Hubertz und Justizministerin Stefanie Hubig Ende 2025 den Weg für den Gebäudetyp E vorbereitet. Ziel ist es, durch reduzierte Standards Baukosten zu senken und den Wohnungsbau zu beschleunigen.
Fachverbände warnen jedoch vor einer Absenkung zentraler Qualitäts- und Sicherheitsstandards. Kritisiert werden unter anderem der mögliche Verzicht auf Schutzverglasung und technische Gebäudeausstattung. Der Bauherren-Schutzbund fordert klare gesetzliche Leitplanken, damit „einfaches Bauen“ nicht zulasten von Bausubstanz, Gesundheit und Verbraucherrechten geht.
🚀 Bau-Turbo in der Praxis: Potenzial vorhanden, Umsetzung stockt
Ein weiterer Hebel zur Beschleunigung des Wohnungsbaus ist der Bau-Turbo, der seit dem 30. Oktober 2025 gilt. Besonders in älteren Wohngebieten sehen Architektinnen und Architekten großes Potenzial: Aufstockungen oder Nachverdichtungen können erleichtert werden, ohne komplette Bebauungspläne zu ändern.
In der Praxis hapert es jedoch noch an der Umsetzung. Viele Bauämter sind laut einer Umfrage des Bayerischen Rundfunks noch nicht ausreichend geschult. Bayerns Bauminister Christian Bernreiter fordert daher, den Bau-Turbo konsequenter anzuwenden, um die Wirkung tatsächlich auf die Baustellen zu bringen.
🌱 ESG-Faktor: Energieeffizienz wird zum Preistreiber
Wie stark sich Energieeffizienz inzwischen auf Immobilienpreise auswirkt, zeigt eine Studie von Wüest Partner. Die Auswertung von 1,38 Millionen Inseraten belegt: Mit jeder schlechteren Energieeffizienzklasse sinken Mieten und Kaufpreise messbar.
Konkret bedeutet das:
- Kaltmieten verringern sich im Schnitt um 0,22 €/m² je Effizienzklasse,
- Kaufpreise um rund 107 €/m².
Die sogenannte Sanierungsrendite wird damit immer klarer vom Markt eingepreist. Energieeffiziente Immobilien gewinnen an Wert – unsanierte verlieren an Attraktivität.
☀️ Solar-Markt unter Druck – Unsicherheit bremst Investitionen
Der Ausbau von Photovoltaik auf privaten Dächern ist 2025 um 43 % eingebrochen. Einer der Hauptgründe: Unsicherheit über die künftige Einspeisevergütung im Zuge der geplanten EEG-Novelle 2026.
Zwar stellt Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche die Förderung für neue kleine PV-Anlagen infrage, beschlossen ist das Aus der Einspeisevergütung jedoch noch nicht. Der Bundesverband Solarwirtschaft warnt vor einem falschen Signal für die Energiewende.
Bis zur Gesetzesänderung bleibt der KfW-Kredit „Erneuerbare Energien Nr. 270“ weiterhin verfügbar.
🏠 Immobilie als Altersvorsorge: Bedeutung wächst weiter
Der Vorsorgekompass 2026 von Union Investment zeigt, wie wichtig Immobilien für die finanzielle Absicherung im Alter sind. Im Schnitt deckt die gesetzliche Rente nur rund 60 % der Ausgaben im Ruhestand. Gleichzeitig entfallen fast 50 % der Kosten auf das Wohnen.
Ohne zusätzliche Vorsorge entsteht so eine monatliche Lücke von über 1.000 Euro. Selbstgenutztes Wohneigentum kann diese Lücke deutlich reduzieren, Mietimmobilien zusätzliche Einnahmen sichern. Immobilien bleiben damit ein zentraler Baustein der Altersvorsorge.
✅ Fazit: Qualität, Energieeffizienz und Planung entscheiden
Ob Gebäudetyp E, Bau-Turbo oder Energiewende: Der Wohnungsbau steht vor einem Spannungsfeld zwischen Geschwindigkeit, Kosten und Qualität. Gleichzeitig zeigt der Markt klar, dass Energieeffizienz und Werthaltigkeit immer stärker über Preise, Finanzierung und Altersvorsorge entscheiden.
Wer heute baut, kauft oder investiert, sollte deshalb langfristig denken, Förderungen klug nutzen und Qualität nicht aus dem Blick verlieren – denn genau hier liegt der Schlüssel für nachhaltigen Immobilienwert.