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Bauwirtschaft mit Lichtblicken – Erholung in Sicht oder nur Zwischenhoch?
Nach einer langen Schwächephase zeigen sich in der Bau- und Immobilienbranche erste positive Signale. Doch reicht das bereits für eine nachhaltige Trendwende? Ein Blick auf Konjunktur, Genehmigungen, Kaufpreise und Sanierungstempo zeigt ein gemischtes Bild.
📊 ifo-Ausblick: Erste Stabilisierung erkennbar
Die europäische Bauwirtschaft könnte 2026 wieder wachsen. Die Forschergruppe Euroconstruct erwartet ein Plus von 2,4 %, nachdem das Wachstum im Vorjahr nur bei 0,3 % lag.
Auch für Deutschland rechnet das ifo-Institut mit einer vorsichtigen Erholung. Als Impulse gelten:
- das Bauturbo-Gesetz,
- höhere Zuschüsse für den sozialen Wohnungsbau,
- Förderungen nach dem EH55-Standard,
- sowie steigende Mieten und Kaufpreise.
Allerdings bleibt unklar, wie stark Maßnahmen wie der Gebäudetyp E oder vereinfachte Genehmigungen tatsächlich wirken. Für 2026 rechnen Ökonominnen und Ökonomen noch mit rückläufigen Fertigstellungen – erst ab 2027 wird ein Zuwachs erwartet.
Positiv: Der ifo-Geschäftsklimaindex im Wohnungsbau hat sich leicht verbessert, und die Baugenehmigungen stiegen um 10,8 % auf 238.500 Wohnungen. Dennoch bleibt die Angebotslücke groß, da zwischen Genehmigung und Fertigstellung oft mehrere Jahre liegen.
💶 Verhandlungsspielraum schrumpft
Der Immobilienmarkt normalisiert sich. Laut einer Analyse von ImmobilienScout24 und Sprengnetter ist der Preisabschlag zwischen Angebot und tatsächlichem Kaufpreis von 6,8 % auf 5,8 % gesunken.
In einzelnen Metropolen zeigen sich deutliche Unterschiede – in Leipzig lagen Angebot und Kaufpreis nahezu gleichauf, während in Köln noch rund 9 % Nachlass möglich waren.
Die Entwicklung deutet darauf hin: Die Nachfrage steigt wieder, Verkäufer setzen realistischere Preise an, und der Spielraum für Verhandlungen wird kleiner.
🌱 Sanierung bleibt Problemzone – „Sanierung light“ als Ansatz
Die energetische Sanierungsquote liegt weiterhin deutlich unter dem Zielwert. Statt der notwendigen 2 % pro Jahr wurden zuletzt nur 0,67 % des Bestands modernisiert.
Der Immobiliendienstleister Aengevelt schlägt deshalb eine vereinfachte „Sanierung light“ vor – mit sofortiger steuerlicher Absetzbarkeit von Investitionen und weniger Einschränkungen bei Mieterhöhungen. Ziel ist es, vor allem Vermieterinnen und Vermieter zu Investitionen zu motivieren und den Modernisierungsstau abzubauen.
🏠 Deutsche im Eigentums-Pessimismus
Im europäischen Vergleich sind Deutsche besonders skeptisch beim Thema Wohneigentum. Laut dem RE/MAX European Housing Trend Report glauben 28 %, sich niemals eine Immobilie leisten zu können. Weitere 31 % haben grundsätzlich kein Interesse am Kauf.
Mit einer Ablehnungsquote von 59 % liegt Deutschland deutlich über dem europäischen Durchschnitt. Gleichzeitig steigen Mieten weiter – was für viele Haushalte langfristig teurer sein kann als eine gut strukturierte Finanzierung.
Gerade hier liegt Beratungsbedarf: Der direkte Vergleich von Miet- und Finanzierungskosten kann Perspektiven verändern.
✅ Fazit: Die Erholung beginnt – aber strukturelle Engpässe bleiben
Die Bauwirtschaft zeigt erste positive Signale: bessere Stimmung, steigende Genehmigungen und sinkende Verhandlungsspielräume. Gleichzeitig bleibt das strukturelle Problem bestehen – es wird weiterhin zu wenig gebaut und zu wenig saniert.
Für Käuferinnen, Käufer und Kapitalanleger bedeutet das:
- Der Markt stabilisiert sich – Schnäppchen werden seltener.
- Genehmigungszahlen wirken erst mit Verzögerung preisbremsend.
- Energieeffizienz und Modernisierung bleiben zentrale Werttreiber.
Wer strategisch plant, Förderungen nutzt und Finanzierung sauber vorbereitet, kann die beginnende Markterholung gezielt für sich nutzen – bevor Angebot und Preise wieder deutlicher anziehen.